1. – 6. November

Viel zu erzählen gibt es eigentlich nicht, Sandro und Ich bauen die letzten Tage öfter am Netzwerk rum, welches bald online geht. Dass ich heute mal wieder seit längerem einen Tagebuch-Eintrag schreibe, verdanke ich eigentlich Damion (von selbstern. Cousine der.. Neffe?). Empfand ihn schon immer als netten Zeitgenossen und auch letzten, als Jenny und ich Döner essen waren und er spontan dabei war war’s gut. Auch wenn ich mit ihm familiär nichts zu tun habe, denke ich doch viel über ihn bzw. seine Situation nach.

Damion ist mitlerweile 7 Jahre alt und wurde die ersten drei Jahre eigentlich nur von Vater und Mutter hin und her geschoben, unter dem Motto – nimm du das Kind. Irgendwann wollte die Mutter ihn dann doch gerne bei sich haben und bei solchen Verhältnissen war das Jugendamt natürlich informiert. Da die Alte Drogen nimmt, wurde Damion ihr entzogen – der Vater hatte ganz plötzlich doch auch Interesse am Kind, also kam er dort hin. Dort wurde er scheinbar nur links liegen gelassen – also wollte die Mutter ihn wieder haben, kooperiert mit dem Jugendamt etc. und sie darf ihn nun auch wieder öfter sehen und alles. Was war heute? Dass sie immer noch Drogen nimmt, nur nicht mehr so viele wusste eh jeder – wer sie genau beobachtet hat, merkte wie sie wie ein Spasti so kleinere Zuckungen hat und ihre Fresse verzieht.

Auch wenn er natürlich selbst nicht groß drüber redet, aber in einer Situation habe ich heute echt gemerkt – wie schlimm es bei ihm sein muss. Es war noch ein Mädchen dabei, keine Ahnung – viellt. 10 – 11, die haben erst sich gegenseitig genervt, wie Kinder es eben machen. Später sind meine kleine süße Sis, Damion, die Kleine und Ich hoch und dort haben die sich halt etwas bekämpft – mehr zum Spaß. Irgendwann wollte das Damion aber nicht mehr und da es bisher immer mehr Spaß war, haben wir auch erstmal nicht eingegriffen. Dann schmeisst die Kleine ihn hinterrücks auf den Boden, trampelt auf ihm rum und hüpft mit den Knien auf seinem Kopf rum.

Habe dann eben eingegriffen, da Damion dann mehrfach sagte, dass es weh tut und sie runter soll – und sie als weiter. Er richtig wütend (zurecht), wollte ihr hinter her und ihr auch auf’m Kopf rumspringen etc.! War aufjedenfall alles kein Spiel mehr, ihm tat’s wohl wirklich weh und wütend war er allemal. Die Kleine hat ihn dann auch ständig weiter provoziert vonwegen was er für eine Heulsuse wäre u.s.w. – dann hat die Alena (kleine süße Sis) schon von selbst zu ihr gesagt, komm wir gehen jetzt runter. Ich habe derweil Damion festgehalten, da er wirklich auf sie losgehen wollte – wie gesagt, zurecht.

Kaum waren die zwei unten, kam die Kleine wieder hoch und provozierte ihn. Da sich alles in Alenas Zimmer abspielte, saß ich mit Damion noch etwas auf der Bettkante und beruhigt ihn. Zweimal kam sie hoch, worauf ich ihr dann nett sagte, sie solle doch bitte einfach mal runtergehen und ihn in Ruhe lassen. Es verging tatsächlich viellt. eine Minute mehr, dann kam sie wieder und meinte zu provozieren und ich wurde zwar nicht laut aber eben mit starker Stimme – dass es nun reicht und sie nun gefälligst runtergehen soll, da wir zwei sonst gleich Ärger miteinander bekommen.

Da Damions Kopf immer noch weh tat, meinte ich er soll sich mal etwas kaltes Wasser über die Stelle laufen lassen (oder drüber reiben). Er hörte sofort und fragte ganz lieb, ob ich mitkommen könnte – da der Kleine es wirklich nicht einfach hat und ganz lieb fragte, ging ich natürlich mit. Kurz darauf haben wir uns wieder rüber an die Bettkante gesetzt und jetzt kommt eigentlich die Stelle, die ich total nett fand – gleichzeitig aber auch traurig. Er umarmte mich und bedankte sich, dass ich bei ihm bin, ihn zurückgehalten habe als er so wütend war und der Kleinen klar gemacht habe, dass es reicht. Sooo schön, wie der Kleine sich dafür bedankt hat, wie traurig allerdings zugleich – sowas sollte eigentlich normal sein.

Auch wenn ich mit seiner Mutter zum Glück nichts zu tun habe, allein was man so mitbekommt, kann ich mir das gut vorstellen. Erst interessiert sich weder Mutter, noch Vater für’s Kind – dann die Mutter scheinbar doch (und das glaube ich ihr auch) – gleichzeitig hält sich die Alte nicht im Griff und nimmt immer wieder Drogen etc.! Für die Oma von Damion (die heute Geburtstag hatte) ist der Kleine eh so ein wenig das missratene Kind von der Drogensüchtige. Ist er lieb, ist sie lieb – gefällt ihr irgendeine Kleinigkeit nicht, wird sie direkt laut, da er angeblich anders nicht hört. Komisch, Jenny redet mit ihm ruhig und es funktioniert – selbst ich als Aussenstehender kann ganz vernünftig mit ihm reden, ihn sogar ziemlich schnell beruhigen – obwohl ich ihn ja nur von 3-4x sehen in 7 Jahren kenne… aber gut, so alte Leute muss man das nicht erklären.

Der Tag war aufjedenfall, auch wenn er oft langweilig war ganz gut. Finde Damion einfach super und vorallem wie lieb und freundlich er ist, obwohl er aus einer in meinen Augen „Asifamilie“ kommt. Die Mutter hat einen neuen Freund, passen zusammen – beide diese kranken Zuckungen von den ganzen Drogen. Nachdem die Oma laufend nur gemotzt hat mit ihm und ganz ehrlich, wegen Sachen, da war ich nicht der Einzige, der dann sich innerlich dachte – was ist ihr Problem? Die Kleine durfte alles, er machte einen falschen Piep – zack wurde da rumgemotzt und gleich mit lauterer Stimme. Hoffe, dass ich ihn nun auch hier und da öfter sehe – netter Zeitgenosse und auch er hat wohl spätestens bei der Story, die ich eben erwähnte gemerkt, dass ich einer der wenigen bin – der nicht sofort gegen ihn brüllt – sondern wenn’s passt auch für ihn. Abschließen zu dem nun doch eig. eher Blog-Eintrag-Format kann ich nur schreiben, auch wenn er auf Dauer sicherlich anstrengend ist – in solchen Situation wünsche ich mir genau so einen Sohn – toller Kerl, trotz kranker Familie.