6. Oktober
Lange keinen Eintrag mehr geschrieben und auch heute ist es eher ein Beitrag zum auskotzen. Nachdem ich nun seit zwei Monaten eh kein Kindergeld mehr bekommen würde, bewerbe ich mich neben Ausbildungsplätzen auch für 450€ und Teilzeit – bisher alles ohne Erfolg. Vorgestern kam dann eine letzte Mahnung von der Familienkasse. Entweder werden nun die ca. 6000€ gezahlt, oder es erfolgt in Kürze eine Kontopfändung oder der Gerichtsvollzieher kommt zu Besuch. Heute dann die nächste Rechnung, über 500€ Gerichtskosten – dabei habe ich bisher das Gefühl, dass wir nicht einen Schritt weiter sind.

Nervlich bin ich gerade ziemlich am Ende. Was habe ich denn bitte angestellt, dass mir die verfickte Welt so übel mitspielt? Keine Ausbildung, kein Job – aber jeder will Geld von mir. Welches Geld? Ich muss zusehen, dass ich irgendwie Monat für Monat überlebe… von leben will ich schon gar nicht mehr sprechen – man kämpft sich halt irgendwie durch, dass man wenigstens noch Essen und Trinken hat.

Seit Jahren ist das Leben ein einziger Kampf, immer wieder habe ich mich irgendwie halbwegs aufraffen können – aber gerade das letzte Jahr hat einen einfach nur noch fertig gemacht. Meine Familie ist der einzige Grund, weshalb ich noch auf dieser Welt bin – da ich ihnen den Schmerz nicht antun möchte, den sie hätten – wenn sie ihr Kind verlieren. Allerdings wird es immer schwieriger durchzuhalten, immer schwieriger nicht doch einen Schlussstrich zu ziehen. Sicherlich möchte ich meiner Familie sowas nicht zumuten – allerdings hat das Ganze mitlerweile eine weitere Stufe erreicht. Vor ein paar Wochen, oder auch eben – habe ich bereits einen Abschiedsbrief angefangen zu schreiben… doch schreibe ich mir hier lieber meinen Frust von der Seele. Wer weiß wie das Ganze ausgehen würde, wenn mein Abschiedsbrief ersteinmal fertig geschrieben wäre?

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht! Es ist ein stetiger Kampf – wieder und wieder nur die ganze Scheiße, Frust und Schmerzen auf sich zu nehmen. Ich hätte nie gedacht, dass ich an so einen Punkt ankomme… wo ich doch eigentlich immer ein Kämpfer bin und alle Situationen irgendwie bewältigt bekomme. Es braucht aber so langsam aber sicher mal etwas positives – sonst hatte man immer irgendwas an dem man sich wieder ein wenig aufbauen konnte, aber mitlerweile…! Während ich vor ein paar Wochen noch erschrocken über mich selbst war, würde ich jetzt verdammt gerne nochmal den Abschiedsbrief anfangen und einfach die ganze Scheiße beenden.

Genau das ist der Grund, dass ich diesen Beitrag noch weiterschreibe – auskotzen bringt eigentlich bis zum nächsten niederschmetternten Ereignis etwas. Doch selbst das Schreiben wirkt aktuell unnötig. Ich habe einfach keine Lust mehr auf mein verschissenes Leben. Diese Sorgen, Ärger, Frust und was weis ich noch alles frisst mich innerlich auf. Wie schwer kann es denn bitte sein ein normales, ruhiges Leben zu führen? Ich erwarte kein Luxusleben – auch wenn es toll wäre. Ich erwarte nicht die ganze Welt bereisen zu können, auch wenn ich gerne mal einen wirklichen „Urlaub“ hätte. Ich erwarte nicht, dass immer alles super läuft – aber ein paar Steine im Leben würden doch ausreichen, wieso muss ich gleich an der Klippe stehen – kurz vor dem Fall?

Am Montag werde ich nochmal den letzten Versuch starten mit meinem Anwalt zu reden, dass die ganze Scheiße nun vorwärts geht – in der Hoffnung das ersehnte, noch so kleine, positive Ereignis zu haben. Ansonsten kann ich für nichts mehr garantieren. Ich weiß, dass meine Familie – sofern es möglich ist – immer für mich da ist und dennoch fühle ich mich einfach hilflos und alleine gelassen, kraftlos und völlig fremd in dieser Welt. Ständig muss ich pausen machen, während ich hier schreibe… Tränen der Verzweiflung sind nicht angebracht und würden sowieso nichts ändern.

Ich schreibe und schreibe, warum geht der Frust nicht ein wenig in den Hintergrund – so wie sonst immer? Das Schreiben war immer die beste Methode, um ein wenig runterzufahren – jetzt wirkt es gerade wie reine Zeitverschwendung. Langsam gehen mir auch die Worte aus… jetzt habe ich mich doch über die aktuelle Situation ausgiebig ausgekotzt – was nun? Am liebsten würde ich mich einfach ins Auto setzen und entweder gegen einen Baum, oder zu Kim fahren. Die Zeit mit ihr fehlt mir verdammt. Die knappe Woche hat so gut getan – zum einen einfach mal raus aus dem Alltag, einfach mal die Sorgen und Probleme ausblenden – zum anderen die wundervolle Zeit mit ihr. Leider kappt die Verbindung immer wieder, doch so sehr ich mich auch darüber ärgern könnte – sie ist einfach ein so wichtiger Mensch in meinem Leben… auch wenn der Kontakt immer nur kurzzeitig hält.

Egal was der Montag bringt, egal was die weitere Zeit bringt – immerhin habe ich es geschafft, dass ich sie zumindest einmal getroffen habe. Ich glaube, ich könnte noch so am Ende sein und meine Gedanken in die Realität umsetzen, vorher wäre ich bei ihr vorbei gefahren – einfach nur, dass ich wenigstens das noch geschafft hätte. Aber gut, das Schreiben bringt echt nicht mehr das, was es sonst gebracht hat – bin im Verzweiflungslevel wohl echt aufgestiegen. Mal sehen ob das der Endkampf ist, oder ob noch ein Endgegner kommt – von dem ich nichts weiß. Mitlerweile auch keine Lust mehr zu schreiben, worüber auch – mal schauen wie ich mich jetzt noch ablenke und wann ich entgültig „Game Over“ bin.